Herold Chinaski – Sein Leben in Kurzform

Hier könnt ihr meine kleine Kunst Galerie anschauen: Meine Kunst

Anmerkung des Autors

Wer die vergangenen Geschichten gelesen hat, der weiß vor welch schwierige Herausforderungen mich mein alter Spannmann (für die unter euch, die noch nicht im Bau waren – „ihr dürft euch erst mal glücklich schätzen, dass ihr es nicht kennt, wie es ist- seine FREIHEIT zu verlieren? Braucht ehrlicherweise gesagt,…auch niemand. Spannmann ist die person mit der du deine Zelle teilst)) aus dem Knast, mit dem ich so einige Zeit gemeinsam „abgemacht“habe, um in der letzten Zeit vor meiner regulären Entlassung sogar einen Haftraum (wie die Schließer sagen) mit Hero zu teilen.

Übrigens habe ich die volle Zeit abgemacht, weil ich mich nicht kooperativ der Staatsmacht gegenüber gezeigt habe und niemanden, wie von mir gefordert wurde, verpfiff- oder- sonst wie angeschwärzt habe. Das wird drinnen, von deinen Mitinsassen, hoch geschätzt. LOYALITÄT ist einer der Werte, die ich mit diesem voll tätowierten, muskulösen „Gewalttäter“, gemein hatte.

Auch Hero hat meines Wissens nach, noch nie irgend jemand anderen mit hin gehängt. Wenn man ihm das erste Mal begegnet, möchte man mit diesem Mann nicht unbedingt ein Schwätzchen halten, geschweige denn sich mit ihm anlegen. Er war da drinnen so etwas wie eine Autoritätsperson, obwohl ich in all den vielen Jahren niemals gesehen habe, das er jemandem Gewalt angetan hatte.

Im Gegenteil – seine Autorität hatte etwas tieferes, schwer zu greifendes an sich. Er sah zwar wirklich böse aus, aber ich habe ihn ja vielmehr….“ich möchte sagen…als Intellektuellen, als Knast – Philosoph“ oder als „belesenen Strassenköter“ erlebt. Zudem war er einer der warmherzigsten Menschen, die mir in meinem Leben begegnet sind.

Es ist mir eine Ehre- einen Mann wie Hero…meinen FREUND nennen zu dürfen

Ok. Er war nicht der Größte, aber sein gedungener Körper hatte nicht ein Gramm Fett. Seine Schritte und seine Art sich zu bewegen waren von einer Leichtigkeit, die dem erfahrenen „Knastologen“ sofort sagten, dass sich hier jemand bewegte, der über jahrelange Kampf- (Sport-) Erfahrung verfügte und dem man hier drinnen oder draußen beim Hofgang, lieber aus dem Weg ging.

Hero gehörte auch zu keiner der sogenannten „Gangs“. Vielmehr machte er sich manchmal über sie Lustig, wenn er mir aus seiner Zeit, als er in Amerika im Knast gesessen hatte, erzählte.

Das erste was mir an ihm auffiel waren seine Tattoos. Klar sie waren schon vor langer Zeit gestochen worden und manches konnte sich – von der Qualität her- nicht mit der Stufe, auf der sich die Tattoo – Kunst heutzutage befindet, messen.

Aber während andere Jungs sich A.C.A.B. auf die Handknöcheln „pricken“, oder „Love“ auf die eine und „Hate“ auf die andere Flosse knallten, hatten Heros Tats ( obwohl- oder -vielleicht gerade weil sie Old – School waren) eine sehr tiefe Bedeutung für ihn. Natürlich habe ich erst viele, viele Jahre später, als wir uns vorsichtig mit einander bekannt machten, die Bedeutung dieser auf Lateinisch verfassten Worte verstanden.

Quer über seinen Bauch hatte er „SAPERE AUDE“stehen. Fast am Hals (so das man die tätowierten Buchstaben auch NOCH sehen konnte, wenn er ein Shirt an hatte ), auf dem Schlüsselbein, stand – ebenfalls in Alt – Englischer Schrift:

„HOMO HOMINIS LUPUS“.

Das es beides seine Lieblingszitate von bekannten Philosophen waren, wusste ich damals noch nicht. Es waren so etwas wie Heros „Leitgedanken“. Dazu würde ich auch die Tätowierung auf seinem rechten Unterschenkel zählen.

Dort waren ziemlich groß, seine eigenen, tätowierten Hände zu sehen, die zum Gebet gefaltet waren.

Um die Handgelenke trugen sie Handschellen (was sie aber nicht am beten hinderte). Daneben stand auf englisch:

„Only God can judge me“

Klar! Der Spruch klang auf den ersten Eindruck recht einfallslos, aber bei Chinaski hatte ALLES eine Bedeutung. Und seine Beziehung zu Gott ist nicht so einfach zu erklären. Ich weiß nur, dass er täglich, vor den Mahlzeiten und vor dem Schlafen gehen, betete…oder meditierte…oder wie er es nannte…“mit ihm sprach“.

Heute, da ich hier draußen versuche aus den Aufzeichnungen aus dem Knast, den Erinnerungen von seinen Erzählungen, seinen vielen Notiz- und Tagebüchern…Und es sind viele, das könnt ihr mir glauben, sein ganzes Leben aufzuzeichnen, stelle ich erst fest, auf was für eine Aufgabe ich mich da eingelassen hatte. Aber, ich hatte es ihm nun mal versprochen- und ein Wort, ist ein Wort. Da war nicht mehr dran zu rütteln.

Da sitze ich nun und versuche irgendwie das Leben meines Freundes aufzuschreiben, was mir (noch) nicht gelingen mag…gut…. ich muss dazu sagen, dass ich ziemlich ungeplant und unstrukturiert bin. Dazu kommt noch, dass Hero, dessen Leben sowieso schon sehr kompliziert war, mir durch einen Bekannten eine Kiste mit seinen Büchern, hat zukommen lassen. Und diese wiederum sind voll mit Randbemerkungen, Notiz zetteln und Querverweisen.

Da ich nun schon mehrfach versucht habe über sein Leben zu schreiben, dachte ich es wäre bestimmt hilfreich, einfach mal eine stichwortartige Liste anzufertigen. So hätte der Leser aber bestimmt sofort einen falschen Eindruck von Chinaski bekommen. Und das will ich auf jeden Fall vermeiden. Eigentlich wollte ich…und habe es ja auch am Anfang versucht…immer gleich auch seine Motivation Dies zu tun , oder Das zu lassen, mit dem geneigten Leser zu Teilen.

Aber da es sowieso immer Menschen mit Vorurteilen geben wird…

…FUCK YOU…

Also, liebe Leser – gebt bitte Hero eine Chance und versucht ihn irgendwie (obwohl er natürlich ein – dem Ihren- bestimmt diametral entgegenlaufendes – Leben führte) nicht zu be- oder gar zu ver-urteilen.

Wenn ihr ihm diese Möglichkeit gebt, werdet ihr bestimmt (wie ich) unter all dem Dreck und der Kriminalität den Diamanten, der in diesem Mann steckt entdecken. Also…immer schön locker bleiben.

Meine Kunst

Meine Straßenmukke: Lieder für den Jakobsweg

Zusammenfassung von Heros Leben:

  • Hero hat in seinem Leben schon so einige Knäste im In- und Ausland (USA, Holland, Frankreich, Schweiz) von Innen gesehen. Mal kürzer – mal länger.
  • Er nimmt seit fast vierzig Jahren Drogen (angefangen hatte er mit 13 Jahren zu Kiffen und ab und zu Alkohol zu trinken. Erst mit 21 Jahren kamen dann die harten Drogen, wie Heroin und Kokain, dazu. Typisch für Hero war seine Kompromisslosigkeit – So begann er nicht wie so viele mit dem „Blech – Rauchen“. (Heroin auf der Alu – Folie rauchen oder wie man im guten, alten China, wo der Umgang mit dem, aus den Schlafmohn – Kapseln gewonnenen, OPIUM – ein gänzlich anderer ist), das Rauchen des Opiums sehr poetisch – „…den Drachenschwanz jagen…“nennt.
  • Schon seit Jahrtausenden waren dort (lange bevor Europäer dieses Wundermittel für sich – als Medizin- ,oder auch als Genussmittel – entdeckten – was schlussendlich in den Opium – Kriegen der Engländer gegen die Chinesen mündete) – die Schmerzstillende- und beruhigende Wirkung des Opiums bekannt und auch beliebt.
  • Also, Chinaski hielt sich damit gar nicht erst auf. Auch sniefen war nicht sein Ding. Er wollte „den vollen Hammer“ und jagte sich von Anfang an- den geschliffenen Stahl (außer bei Insulin Spritzen – Dort wird die Spitze der Nadel in der Fabrik einfach abgeschnitten, was zur Folge hat, das sie schnell stumpf werden, wenn man sie öfters benutzte) in die Armbeuge. So kam es, dass er die ersten ca. 15 Jahre fixte, bis es ihm am Ende kaum noch möglich war, eine geeignete Vene zu finden.
  • Mit der Geburt seines Sohnes vor ca. 17 Jahren, gab er diesem sein Versprechen: Keine Nadel (außer die Tätowiernadel) mehr in sich zu ballern. Das hat er meines Wissens auch bis zum heutigen Tag eingehalten. Seit dem nahm er zwar noch harte Drogen, doch er „sniefte“sie fortan durch die Nase (Fachleute aus der medizinischen Ecke nennen das „nasaler Konsum“).
  • Er war im laufe seines Lebens bestimmt fast länger in „staatlichen Einrichtungen“, als in Freiheit verbracht.
  • Hero arbeitete in den verschiedensten Berufen: So hatte er, damals Anfang der Neunziger, das erste Tätowier – Studio in seiner Gegend eröffnet. Was damals noch echt „New“ war ( damals gab es so einen Verschönerungsladen noch nicht an jeder Ecke). Er arbeitete als Viehtreiber für eine große Hamburger Spedition, die Nutz- und Schlachtvieh nach Saudi Arabien lieferte. Er fuhr mit den Viechern im Güterwagon drei bis vier Tage durch halb Europa – bis nach Marseilles. von dort half er mit beim Verladen der Tiere aufs Schiff. Er hatte Jobs als Geldeintereiber, Nachtportier- in einem Frankfurter Bordell im Bahnhofsbezirk der Bankenstadt, als Chauffeur von Diebesgut oder auch von Prostituierten.
  • Zwei seiner Ex- Freundinnen arbeiteten auch als „Bordsteinschwalbe“. Natürlich eine zur Zeit, denn Hero war alles andere als ein Pimp. Im Gegenteil, meiner persönlichen Meinung nach, (und – wie ich auch einigen seiner Tagebucheinträge entnehmen konnte), litt er damals enorm unter diesem Zustand. – Er nahm auch nie Geld von ihnen ( außer wenn er los zog um für sich und seine Flamme Drogen zu kaufen).
  • In seiner Jugend träumte Hero davon, ein Musiker zu werden. Er fing mit 12 Jahren an Gitarre zu spielen (Seine „Mutter“ schenkte ihm seine erste Klampfe zu Weihnachten. Natürlich keine elektrische, wie er es sich erträumt hatte – nicht mal ne Westerngitarre – NEIN ! – es musste eine voll „nurdige“ Konzertgitarre mit Nylonsaiten sein.
  • Und dazu – Gratis – noch ein Jahr Unterricht für Klassische Gitarre. Da kam bei Hero aber Freude auf – An Stelle von „smoke on the water “ musste er jetzt „Im Märzen der Bauer“…nach Noten… lernen. Immer einen Fuß auf dem Fußbänkchen….tralala-trallali…
  • EGAL – Hero wusste wo seine Mutter sein Konfirmationsgeld gebunkert hatte. Als sie arbeiten war, nahm er es sich, fuhr in die nächste Stadt- und als seine Alte nach Hause kam – erklangen aus der Wohnung, die er mit seiner Schwester und seiner „Erziehungsberechtigten „(so nannte er sie, wenn er unter seinen Kumpels war) teilte, laute – nein – sehr laute – quitschende, schrille Töne. Das war mein Freund, wie er gerade die Maximal – Lautstärke aus seinem brandneuen Verstärker herauszuholen versuchte, indem er die Saiten der E – Gitarre wie wild bearbeitete. Später schulte er dann eher auf Bass und Gesang um (R.I.P. Lemmy ). Er spielte auch lange in diversen Hardcore – Metal – Punk – Bands. Aber außer einer Hand voll Auftritte und zwei Demo – Tapes (von denen eins im „Rock Hard“ total verrissen wurde, welches Hero auf „Eigeninitiative“ an Holger Stratmann, der damals der leitende Redakteur des Rock Hard Magazins (damals war Götz K. noch nicht wirklich in die Gestaltung involviert und berichtete damals nur von eher kleinen Metal – Festivals).. Dieses eigenmächtige Vorgehen, nahmen ihm aber seine Musiker – Freunde krum, zumal die Kritik auf das „nicht mal fertig abgemischte“Werk doch sehr vernichtend war. Dazu kam Heros immer höherer Gebrauch von harten Sachen. Er war verrückt nach diesem feeling. Wollte immer mehr und immer mehr….Das dies kein gutes Ende nahm war allen damals schon klar. Wenn er seine geliebte Musik – mit seiner neuen Geliebten – dem HEROIN – betrog. Beides ging nicht. Außerdem konnte man sich auf Hero nicht mehr so richtig verlassen. Außer darauf, dass er wahrscheinlich so was von Hacke dicht sein würde, wenn er gebraucht wurde. Als er schließlich bei einem Auftritt so breit war, dass er während der Show rückwärts in das Schlagzeug stürzte und den ganzen Auftritt zu einem seinen“ Chaos – Tagen “ machte. Apropos Chaos – Tage. Davon muss ich euch eigentlich auch irgendwann noch erzählen. Das war damals seine Welt:
  • Die CHAOS – TAGE IN HANNOVER.
  • Überhaupt hielt Hero sich in den Achtzigern oft in der Hafenstraße auf. Wenn er nicht in seiner Bude in Winterhude steckte, fand man in eigentlich meistens im „AHOI“ . Das Ahoi, genauso wie das „Onkel Max“ waren damals so was wie sein Wohnzimmer für ihn. Obwohl auch bei den Punks und Hausbesetzern, in der Wagenburg in Altona, wie auch eigentlich in der gesamten „linken Szene“ waren Heroin verpönt. Aber ratet mal wem das Shit – Egal war?
  • Was ich Anfangs gar nicht glauben konnte war, dass Hero sogar studiert hatte. Dieses Kunststück- „voll drauf“- eine erstklassige Diplomarbeit zu schreiben und auch noch einen hervorragenden Abschluss zu machen, nötigte mir schon etwas Respekt ab. Das war damals, als sich mit der Geburt seines Sohnes, alles verändert hatte und Hero begann seinem Leben mehr …“einen bürgerlicheren Touch“ zu verpassen. Wie es sich gehörte (wer hat das festgelegt?), heiratete Hero die Mutter seines Sohnes… und zwar genau einen Tag vor dessen Geburt. Sie waren sauber. Sie hatte Arbeit und er begann damals gerade auf dem zweiten Bildungsweg sein Studium an der Fachhochschule Frankfurt am Main. Sie waren eine richtige kleine Familie. So wie Hero es sich immer erträumt hatte. Er wollte seinem Sohn all die Liebe geben, die er während seiner Kindheit so arg vermisst hatte. Er arbeitete jahrelang in der Jugendhilfe mit den schwierigsten Jungs und schließlich als Lehrkraft in einer…früher hätte man Sonderschule gesagt…aber in Zeiten der „political correctness“….but? Who gives a Fuck? Zwischendurch wurde auch – am Anfang – nur sporadisch – auch gerne mal ein „klitzekleines“ Näschen gezogen. Nur dieses eine Mal. Nur einmal wieder die innere Wärme und das Feuer des Heroins zu spüren. Seine beinahe magische Kraft spüren,Jeden noch so trüben Gedanken zu verdrängen, die inneren Dämone, die ihn schon sein ganzes Leben verfolgten nicht mehr wahrzunehmen müssen. Nur dieses eine Mal…Morgen geht wieder alles ganz normal weiter…ich will doch nur das es mir diesen einen Tag gut geht…Aber wie er eigentlich wissen müsste – und auch wusste – Es gibt kein Einmal…(1000 mal probiert und noch nie von Erfolg gekrönt). Wem wollte er noch was vormachen? Sich selbst? Die Sucht hatte wieder einmal von ihm Besitz ergriffen. Und wenn sie ihre eisigen Klauen nach ihm ausschlug, die Krallen, die mit kleinen Widerhaken besetzt waren, in sein weiches Fleisch rammten. Sie war wieder da – meine allseits bereite Geliebte – neben der… – Niemand – existieren kann.
  • Dann kamen ein weiteres „Vergehen“ gegen das deutsche Betäubungsmittelgesetz (Btmg) und damit verbunden, ein fünfjähriges Berufsverbot als Pädagoge. Zuzüglich bekam er noch in einer anderen Sache 2 Jahre auf 4 Jahre, auf Bewährung. Leider hatten die Cops in dieser Zeit schon wieder eine Hausdurchsuchung angeordnet und neben seiner gesamten Messersammlung (eigentlich war dabei nur das Butterfly illegal) auch seinen Basi…, der hinter der Eingangstür stand – nur zur Sicherheit – eingezogen.Vor allem die Signal – Pistole vom Schiff seines Vaters (die er nach seinem Tod als Erinnerung verwahrte) sollte ihm noch einiges an Schwierigkeiten bereiten. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt und die Bewährungszeit wurde auf 5 Jahre angehoben. Wie soll ein, nach (hierzulande) illegalen Substanzen abhängiger, nein schwerstabhängiger – es denn bitte schön schaffen – 5 Jahre nicht in Konflikt mit dem Gesetz zu kommen. Wo er doch jeden Tag illegale (nach unserem fuckin`Gesetzbuch) Dinge tun MUSS !!! Will er nicht an fast unerträglichen Schmerzen leiden – so braucht er seinen Stoff. Und er wird ihn sich auch besorgen…egal wie…Sucht ist Sucht….
  • Um seine Sucht zu bekämpfen hatte Hero schon die verschiedensten Dinge ausprobiert. Na die ersten 15 Jahre hatte er es genossen…genossen mit jeder Faser seines Seins. Immer mehr…mehr. Er war tief in seinem Inneren sogar ein bisschen stolz, weil man alles zu ihm sagen konnte…nur nicht, dass er angepasst lebte…(„…vielleicht ein kleines bisschen mehr Konformität, wenn ich bitten darf -Herr Chinaski“). Aber die letzten ca. 2 Jahrzehnte waren für ihn ein auf und ab. Mal war er zehn Monate clean, manchmal nur einen Tag. Er machte 6 Langzeit – Therapien, -hatte zig ambulante TherapeutInnen verschlissen, unzählige Entgiftungen durchgestanden. Er versuche es auch 4 mal mit der Heroin – Substitution. Einmal mit Pola, einmal mit Meta und zwei mal mit Subotex (Burenorphin). Nichts half auf Dauer.
  • Hero trieb sich jahrelang illegal in den Vereinigten Staaten herum und schlug sich als Dachdecker, Hilfsarbeiter, Tätowierer und als „Drogen – Transporteur durch. Es gelang ihm, trotz weiter forschreitender Opiat – Abhängigkeit, immer wieder aus dem Gefängnis entlassen zu werden, ohne das sein Alien – Status bekannt wurde,(zum Glück hatte er sich eine neue ID besorgt)bis er schließlich in Missouri durch das FBI kontrolliert wurde, weil man ihm damals fälschlicherweise einen Mord, bei dem er zwar anwesend war – aber dennoch Unschuldig- anhängen wollte. Man bedenke, dass es da in Missouri noch die Todesstrafe durch die Gaskammer gab. Während seiner Haft dort, erschoss ein über – eifriger Cop dann auch noch seinen Hund „Apache“ , den er in der Mojave Wüste, von den dort lebenden „Natives“ von eben diesem Stamm, geschenkt bekommen hatte und der die letzten drei Jahre- oft – sein einziger Freund gewesen war. Der Tod seines geliebten Hundes konnte Hero, so glaube ich, niemals so ganz verarbeiten. Das gilt natürlich auch für diesen Mord an einem 16 jährigen Mädchen, dass vom Täter schwanger ging, und der ihr den halben Kopf weg geschossen hatte. Hero stand damals genau daneben, wählte auch die 911 und hielt, während dieser ganzen Zeit, den Täter mit einem weiteren, sich in der Tatwohnung befindlichem, Gewehr in Schach.
  • Er ist in seiner Jugend 2 mal nach Marseille getrampt, um sich von der Fremdenlegion anwerben zu lassen. Das erste Mal waren er und sein Kumpel Micha noch nicht volljährig und wurden daraufhin von dem Mann im „Cäppi Blanche“wieder fort geschickt. Das nächste mal (inzwischen 18 Jahre alt ),wurde er immerhin ins Auffanglager nach Aubagne (einer Insel vor der Küste Süd – Frankreichs) gebracht. Dort wurden alle neuen „Rekruten“ auf Herz und Nieren geprüft, der Kopf rasiert und in den Militäralltag in der Legion eingeführt. Leider (dachte ich zuerst – aber als mein Kumpel von damals, mir Jahre später, von seiner Flucht vor der Legion erzählte war er dann doch froh) war der Psychologe, der ein längeres Gespräch mit Hero führte, der Ansicht: “ Er habe schon zu viel LSD in seinem Leben genommen und man könne ihm doch keine Waffe mehr in die Hand drücken“. Daraufhin wurde er entlassen in den Zug zurück nach Paris verfrachtet, von wo aus er dann später nach Hamburg zurück trampte. Seinen Kumpel sah er erst viele Jahre später in Hamburg wieder. Nachdem sie ihr Wiedersehen ausgiebig gefeiert hatten, – mit reichlich Pils und „Shore“ – so sagen wir im Norden zu Heroin – oder auch einfach „Gift“ – das ist es – was es letztendlich doch ist – reines Gift. Der Tod fliegt bei jedem Knaller immer mit. Entweder ist der Stoff zu rein, oder irgendjemand in der langen Kette der Hände hat vielleicht eine giftige Substanz zum Strecken genommen (in den Achtzigern wurde dafür von gewissenlosen Dealer-Dreckschweinen oft „Strychnin“ verwendet. Es wurde normalerweise als Rattengift benutzt. jeder Schuß war eigentlich „Russisches Roulette“ und konnte soeben dein letzter gewesen sein. Aber die meisten starben, als sie vorher clean waren und sich dann einfach zu viel zugemutet hatten. Es ist fast unglaublich, welch eine Hammer- harte Toleranz auf Opiate der Körper entwickeln kann. Bei Junkies die so lange Heroin (und damals war die Quali noch Bombe) und andere Produkte aus der Opioid.Familie (Opioide- sind synthetisch hergestellte Opiate). Aber um noch einmal auf das Strychnin zurück zu kommen. Es hatte als Streckmittel den Vorteil, dass es zwar schnell (-überdosiert -) zum Tode führen konnte, aber – in geringster Menge dennoch einen leichten Kick verursachte, und damit wurde dann wiederum versucht, den Qualitätsunterschied, der durch das Strecken entstanden war- doch zumindest etwas zu Verringern. Dieser alte Freund von ihm erzählte Hero, dass er sich bei seiner Flucht aus der Fremdenlegion quer durch Frankreich durchgeschlagen hatte, bis er schließlich bei Nacht und schwimmend bei Kehl den alten „Vater Rhein“und damit auch die deutsch- französische Grenze überquerte (ja…damals gab es auch innerhalb Europas an jedem Land nervige Grenzen und damit verbunden- die noch viel nervigeren Grenzkontrollen. Er hatte zwar einen relativ großen Kanister dabei, den er als Auftrieb nutzte. aber dennoch wurde er mehrere Kilometer den Rhein Fluss abwärts abgetrieben,- kam aber immer hin lebend auf der deutschen Seite an.
  • Überhaupt legte Hero eine erstaunliche Anzahl von Kilometern und auch Meilen mit Hilfe seines Daumens zurück. In einer schlaflosen Vollmond Nacht, damals im Bau, machten wir mal ein Spiel daraus (im Knast-kommt man manchmal auf die merkwürdigsten Zeitvertreibe) und versuchten alle – von ihm getrampten – Kilometer zu rekapitulieren und zusammen zu ziehen. Wenn man nur mal so eine ungefähre Rechnung macht könnte sie wie folgt aus sehen:

Europa: (Da ich mich nicht mehr so genau erinnere, habe ich ähnliche Strecken/Distanzen zusammengelegt.

ca. 10 mal Hamburg-Kiel (gilt für Alle- natürlich auch zurück- also doppelt). Strecke / einfach : ca. 100 km = 2000 km

ca. 15 mal Hamburg-Zürich. Einfach- ca. 900 km. = ca. 27.000 km.

ca. 15 mal Hamburg-Salzgitter. Einfach- ca. 200 km = ca. 6000 km

1 mal HH – Salzgitter – Ungarn (Balaton) – ca. 1200 km = ca. 2500 km

2 mal HH – Süd-Frankreich (Marseille) – ca. 1100 km = 4500 km

ca. 4 mal HH – Amsterdam – ca. 350 km = ca. 2800 km

ca. 4 mal SZ – Amsterdam – ca. 350 km = 2800 km

ca. 2 mal HH – Berlin – ca. 400 km = 1600 km

1 mal SZ – Berlin – ca. 300 km k= 600m

ca. 2000 km- Kreuz und quer: Das macht eine Strecke insgesamt von ca. 53.000 km per Anhalter.

United States of Amerika:

New York – Los Angeles (Cali.) ca. 11.000 miles

LA – Knoxville/ Nashville (Tennessee) – New Orleans ca. 12.000 miles

New Orleans- Alabama (Rainbow-Gathering) – Daytona Bike- Week ( and Spring Break at the same time ) ca. 2000 miles

Florida – St. Louis ( here ends his north american adventure) ca. 1000 miles

Insgesamt hat er also in den USA ca. 26.000 miles = round about 50.000 Kilometer trampend zurück gelegt. Wenn wir also jetzt die getrampten km aus Europa und den USA zusammenziehen kommen wie auf ca. 100.000 Kilometer per Anhalter um den Erdball. Geht man davon aus, dass der durchschnittliche deutsche Autofahrer ca. 12.000 km per anno mit seinem Auto fährt, so müsste er ca. acht bis neun Jahre Auto fahren um so ungefähr auf die selbe Wegstrecke zu bringen.

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4 Kommentare zu „Herold Chinaski – Sein Leben in Kurzform

  1. chinaski bist du…gell

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  2. ich wusste gar nicht wie viele meilen du schon getrampt bist…..hammmermässig

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  3. du bist chinaskichinaski rules

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  4. du bist chinaski

    Gefällt 1 Person

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