APACHE

Zum Gedenken an einen wahren Freund

Rest in Peace – APACHE (killed by an american Police Officer – I call it „Murder“)

Manchmal, wenn es gerade geregnet hat – dann rieche ich dich noch immer…Wie oft habe ich die Nacht mit dir verbracht, aneinander gekuschelt und warm.( ok. außer der Nacht in Kentucky als wir morgens über und über von Schnee bedeckt, aufwachten) ..hmmmm wie ich deinen Geruch geliebt habe – Überhaupt – du warst damals in Amerika mein bester…- und leider meist auch -… mein einziger Freund.

Ich vermisse dich ganz schrecklich

Wir haben aufeinander acht gegeben – wie echte Freunde es eigentlich immer tun (sollten). Wir waren unzertrennlich – damals – bis so einem fu….in`Cop der Colt wohl etwas zu locker saß…???

Warum ???

Scheinbar sind Hunde keine richtigen Lebewesen in dem Land der „Indianer“- und Büffeltöter. Eine verrohte Gesellschaft, in der sich die Menschen als Krone der Schöpfung begreifen und andere (Lebewesen) klein machen, um sich selber zu erhöhen. Alles was in diesem Land zählt ist die Jagd nach dem grünen Papier. Immer mehr und mehr…von allem. Eine Wirtschaft, die auf Kriegstreiberei und ungezügeltem Konsum ausgerichtet ist. In der das Individuum nur halb so wichtig wie der Down Jones Index ist. Eine Gesellschaft, ohne Skrupel…die Ellenbogen ausgefahren auf dem Weg nach „oben“.

So schön die USA landschaftlich sind (es gibt hier fast alle Klimazonen…vom Atlantik bis zum Pazifik, von den Rockies über die Black Hills bis zu den Apalachen… Sumpfgebiete im Süd Osten (Florida) und auch Wüsten wie die Mojave, mit dem heißesten und trockensten Tal (Death Valley) überhaupt), ist dieses wirklich wunderschöne Land leider voll mit Amerikanern, wie sie sich selber nennen. Dabei sind alle weißen Menschen dort europäischer Herkunft (think about that…when you talk about Immigrants, Mr. Dump).

Da fällt mir eine alte Geschichte ein, die mir mein Wing – Tsun – Sifu (bedeutet soviel wie „Meister“ oder auch „Lehrer“im Kung – Fu ) mal erzählt hat. Angeblich soll in dieser Story – Bruce Lee einem Schüler erklärt haben, wie der falsche Weg ist, Leistungen als grandios darzustellen: Nicht des anderen Leistung klein machen, um seine eigene größer erscheinen zu lassen, sondern an sich arbeiten.

Als ich in Missourie (Taney County) verhaftet worden war, hat mein geliebter Hund Apache draußen auf mich gewartet und meinen Rucksack bewacht, so wie er es gelernt hatte und in den letzten drei Jahren immer praktiziert hat.

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Me and Apache in San Diego, Californien
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APACHE

Nie werde ich vergessen, wie ich im Büro des Oberstaatsanwalt gestanden habe, als der Sheriff herein kam. Den einen Arm verbunden und in der anderen Hand APACHE`s Halsband.

Sie hatten mich aus dem Haftraum in dieses Büro gebracht, um mir mitzuteilen, dass der Cop soeben versucht hatte meinen Rucksack (der sich immer noch vor dem Mord- Haus, in dem ich verhaftet wurde, befand) zu durchsuchen und dabei von meinem Hund gebissen worden sei, und er ihn darauf hin erschossen habe…

(Deppen…ich hätte ihnen vorher sagen können das mein Hund darauf trainiert war auf unsere Sachen aufzupassen)

Ich wurde ganz bleich, mein Magen krampfte sich zusammen und mein Herz wurde schwer…aber neben der Fassungslosigkeit und Trauer wurde ein anderes Gefühl übermächtig….WUT… eine schier unendliche, ohnmächtige WUT…

…und dieser gab ich nach und stürzte mich in meinem schönen orangefarbenen Overall auf den Sheriff , obwohl meine Hände in eisernen Ringen gefesselt waren. Mir war jetzt alles egal. Ohne Apache….Wie sollte ich da weitermachen? Ich wusste es nicht.

Nachdem immer mehr Cops ins Büro stürmten und sie mich mit Gewalt entfernt und wieder in den Gemeinschaftshaftraum steckten…wurde ich von meiner Trauer und Hilflosigkeit überwältigt…Die Tränen liefen mir über das Gesicht…

Sie haben mir den einzigen Freund den ich auf diesem wunderschönen Kontinent hatte, genommen. Wie sollte ich jetzt weitermachen?

Verhaftet wegen eines Kapitalverbrechen, welches ich nicht begangen habe, illegal im Land, langhaarig und am ganzen Körper tätowiert…und nun….ALLEINE. Ok, ich gebe zu bei meinem damaligen Aussehen, erinnerte mein Äußeres doch eher Charles Manson in Hardcore.

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county jail
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BUSTED in Missourie

Ich war wirklich verzweifelt. Sie ließen mich nicht mal telefonieren. Angst überkam mich. Was…wenn die nur einen Schuldigen brauchten?…ich war doch perfekt für die…

Keiner wusste wo ich war. Und zu allem Überfluss gab es in MIssourie noch die Todesstrafe. Wollten sie mich in die Death Row und dann in die Gas Kammer schicken? Was konnte ich tun?

Damals hatte ich jede Hoffnung da noch mal raus zukommen, schon aufgegeben. Sollte ich niemanden aus Deutschland je wiedersehen…meine Schwester, meinen Vater (der damals noch lebte)???

Wie in Trance nahm ich mein Bettlaken und schaute an den Gittern entlang, ob ich mich wohl irgendwo aufhängen konnte…ich wollte nicht mehr Leben…ich konnte nicht mehr… ich hatte Angst, war alleine und so verzweifelt, wie selten davor. Ich wollte nur noch sterben.

Ungeschickter Weise sah mich in diesem Moment einer der Wärter. Ich ließ mich dieses Mal, ohne Widerstand zu leisten, an Händen und Füßen mit Achten fesseln.

Sie brachten mich in eine geschlossene Psychiatrie….so wie ich war….im orangefarbenen Overall…an Händen und Füßen gefesselt… Als mich bei meiner Ankunft die Patienten und Schwestern sahen, blickten sie, immer meinem Blick ausweichend, nach unten. Da ich ja bekannt für meinen etwas derben Humor bin, tat ich so, als ob ich ein wildes Tier wäre und schrie und tat total verrückt…nur um die anderen Personen hier zu schocken.

Endlich bekam ich Hilfe. man gab mir ne 10 er Valium und ich konnte endlich etwas zur Ruhe kommen. Ich dachte an Apache und an die letzten drei Jahre, die wir gemeinsam verbracht hatten, nachdem ich in der Mojave Wüste eine Familie amerikanischer Ur- Einwohner kennen gelernt hatte. Diese gehörten dem Stamm der Apachen an.

Wochenlang blieb ich bei Ihnen und die Mutter, als Klan- Chefin, nahm sich meiner an und lehrte mich wie man am Morgen, wenn ihr Blut noch kalt war, Klapperschlangen fing, sie am Feuer zu  zubereiten, ihnen die Haut abzuziehen und mit Minkoil bearbeitbar zu machen und Feuerzeughalter oder kleine Medizinsäckchen zu nähen.

Die ließen sich hervorragend an Touristen verkaufen. Außerdem hörten wir den Ameisen zu, jeder lag mit einem Ohr auf dem Sand; betrachteten die Sterne und die Natur und ich lernte viel über ihr derzeitiges Leben, was mit der Ursprünglichkeit ihres Seins nur noch wenig zu tun hatte.

Als ich weiterziehen wollte, sagte die Mutter, dass so ein Greenhorn wie ich, nicht alleine durchs Land ziehen sollte.

Nun war es so, dass die Familie fern ab von Allem, in der Wüste in einem Mobil Home lebte und sie Pitbuls züchteten. Leider war die Mutter Pitbul abgehauen und hatte sich in die Wüste zurück gezogen. Als sie wieder kam war sie schwanger….

Die Stammesälteste erzählte mir, dass sich die Hündin wahrscheinlich mit Kojoten (die man immer wieder hörte) gepaart hatte. Da es sich bei den Welpen also um keine reinrassigen Pits handelte wären diese auch schwer zu verkaufen.

Eines der süßen kleinen Hundebabys hatte ein braunes und ein blaues Auge. Mit diesem hatte ich mich in den letzten Tagen viel beschäftigt und wir hatten uns angefreundet.

„Er will zu dir“ sagte mir die Indianerin. „Also soll er auch mit dir gehen“.

Ich dachte ich träume…hatte sie mir wirklich diesen wunderschönen Hund geschenkt?

Erst nach und nach konnte ich die Tragweite dieser Entscheidung fassen. neben mir im Wohnmobil, auf dem Beifahrersitz saß von nun an ein echter Freund.

Er wurde zu meinem Gesprächspartner, wenn ich einsam war ( und das war ich in Amiland oft ), zu meinem Freund und zu meinem Beschützer. Keiner würde es wagen in ein Wohnmobil einzubrechen, in dem ein wütender Pit- Kojote – Mischling knurrte und bellte.

Insgesamt hatte Apache mir zweimal das Leben gerettet. Nachts kamen irgendwelche Hillbillies auf die Idee einen, sich wehrlos im Schlafsack befindlichen Mann (mich), zu überfallen und mit Knüppeln zu verprügeln.

Wie ein Blitz schoss APACHE, wie ich meinen Hund zu Ehren der Familie in der Mojave Wüste, genannt hatte, aus dem Schlafsack und noch ehe ich überhaupt begriff was los war, hatte mein Hund schon den einen am Wickel. Ich erhob mich und zog dabei das Messer unter meinem Kopfkissen hervor (eine Eigenart die ich mir in meiner Zeit ohne Wohnmobil angewöhnt hatte…und die ich noch viele Jahre fortführen würde) und sah die anderen nur noch fliehen. Ich rief Apache zu mir und er ließ den Hillbillie los, der daraufhin auch lieber schnell das Weite suchte.

Natürlich kann man seine Vorurteile gegen diese Rasse haben, aber APACHE war anders. Ich hatte ihm früh beigebracht wer hier der Alpha Wolf war.

Wenn ich mit ihm schimpfte und ihn dabei im Nacken packte und seine Nase an meine hielt, fing er aus Respekt oder Angst immer an zu pinkeln. Ich musste ihn so gut erziehen, weil ich nie eine Leine für ihn hatte und ich wollte das er frei….innerhalb der von mir gesetzten Grenzen….leben konnte. So „gehorsam“ er mir gegenüber war, so gefährlich war er gegenüber anderen Menschen, wenn diese z.B. mir zu schnell die Hand reichten oder mir anderweitig zu Nahe kam.

Ich fand dieses Verhalten gut und verstärkte es dementsprechend. Allerdings wurde es dann zum Problem, wenn ich eine Frau mitbrachte und wir anfingen zu schmusen. Er war so eifersüchtig, dass ich so nicht die Garantie für die Frau übernehmen konnte und ihn ein wenig entfernt anbinden musste, damit wir uns ungestört unserem Liebesspiel widmen konnten.

In New Orleans, während des Mardi Gras waren die Straßen so überfüllt von betrunkenen Menschen, dass nach dem 2 ten Zwischenfall, die Ordnungsmacht mir auf trug mir einen Maulkorb zu besorgen. Sollte ich das nicht machen, würden sie mich und meinen Hund nicht mehr im French Quarter dulden. Also dackelte ich kreuz und quer durch die „City of New Orleans“, auf der Suche nach einem Tier- Geschäft, um mir schließlich für mein letztes Geld einen Maulkorb für APACHE zu kaufen.

Oder Venice Beach in Los Angeles, Cali., wo sich Apache, nachdem er mit einem erwachsenen Pitbul beim spielen aneinander geraten war, in der Maulfalle des ausgewachsenen Tieres befand. Ich schlug mit Ellenbogen und Fäusten auf den Hund ein, aber er wollte und wollte nicht loslassen. Schließlich schaffte ich es Apache aus dem eisernen Todesgriff zu befreien. Sein ganzer Hals war offen,  das Fleisch klaffte offen auseinander. Wir waren mit seinem Blut über und über beschmiert, und es hörte nicht auf zu bluten…Ich stand unter Schock und weiß daher nicht mehr, wie wir dann zu einem Tierarzt kamen, der geöffnet hatte.

Nun hatte ich, wie immer, kein Geld und flehte den Tierarzt an trotzdem meinen Freund zu retten. Er ließ sich schließlich drauf ein…. mit der Auflage, dass ich meine Genehmigung zur Kastration geben solle. Dazu müsst ihr wissen: APACHE hatte dicke Cojones….und wenn er so, ganz stolz, in seiner ganzen Kraft dastand, quillten seine dicken Eier immer hinter ihm raus (später war dies nur noch ein leerer Sack….eine Hülle).

Ich habe ihn so oft um Vergebung gebeten, aber was sollte ich machen? Der Arzt musste sein Leben retten. Es tat mir selbst körperlich weh….das ich zu dieser Entscheidung genötigt worden war.

Du warst schließlich der Ausschlag gebende Punkt, damals in New York, als mein Flieger ohne mich abgehoben hat, nachdem ich das Wohnmobil endlich zurück zu meinem Dad nach Bremerhaven verschifft hatte, das Land nicht wie vorgesehen mit Ablauf meines Visums verlassen habe. Ich hatte zwar kein Geld mehr und mein 1 Jahres- Visum war abgelaufen, aber ich konnte und wollte dich nicht in Amerika zurücklassen.

So habe ich beschlossen von New York, gemeinsam mit dir, nach Californien zu trampen und du warst immer an meiner Seite. Kreuz und Quer sind wir durch das Land getrampt. Tausende und abertausende von Meilen… bis ich schließlich in Missourie verhaftet worden war und dieser miese Cop , dein Leben mit der Schusswaffe beendete.

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me and Apache in New mexico

 

Du bist in Gedanken immer bei mir…In ewiger, tiefer Liebe….

I’ll see you on the other side…

Hier findet ihr einige meiner Gemälde:

Meine Kunst

 

Und hier meinen Artikel über meine Straßenmusik:

Lieder für den Jakobsweg

 

Kategorien Mord, Tod, USASchlagwörter , , ,

8 Kommentare zu „APACHE

  1. apache….rest in peace…….dad liebte dich so sehr……so sehr

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  2. dogs are your best friends

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  3. ich weiss wie sehr du leidest….aber ihr seht euch wieder in Walhalla…….A:C:A:B

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    1. Die liebe zu tieten ist wie die zu kindern…..sie ist bedingungslos…..ehrlich….total

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  4. rucksackphilosoph September 12, 2018 — 8:40 pm

    Sehr bewegende Story. Mein Beileid dafür… Irgendwann seht ihr euch wieder!

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    1. Dank dir bruder….des giftes…lach…stay clean

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    2. Ich danke dir…und ja….irgendwann sehn wir uns wieder….aber noch nicht jetzt… love and peace

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